Juni 27 2019 0Comment

Kein Sakko, nirgends

Hamm-Norden – Etwa zwölf mal acht Meter groß ist der kleine Keller des neuen Gebäudekomplex an der Ecke Heessener Straße / Münsterstraße, und auf dessen gestern in gleißender Sonne liegender Geschossdecke hatten die Mitarbeiter der Baufirma Heckmann ein Stückchen Wand gebaut, in die der Grundstein samt Rohr eingebaut wurde. Gekommen waren neben Heckmann-Geschäftsführer unter anderem Hamms OB Thomas Hunsteger-Petermann, Baudezernentin Rita Schulze Böing, Hamms oberster Planer Heinz-Martin Muhle, Bezirksvorsteherin Erzina Brennecke und Martin Zerle, Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG). 

Viele Frauen trugen Hut, kein Mann ein Sakko – denn die Betonplatte wirkte wie eine Sauna ohne Mauern. Bis zu Beginn der Grundsteinlegung warteten Gierse und seine Gäste in dem spärlichen Schatten eines Baggers. Und das Mineralwasser gab es schon zu Beginn der Zeremonie und nicht erst danach. 

Der OB blickte in seiner kurzen Ansprache vor allem zurück. „Ich weiß nicht, was die Vorväter geritten hat, an dem früheren Gebäude Balkone zur Straße und zur Bahnlinie hin zu planen“, sagt er. Auch das habe dazu beigetragen, dass das gar nicht so alte Gebäude so heruntergekommen sei – und zuletzt bettenweise an rumänische und bulgarische Arbeiter vermietet worden war. „Sie glauben gar nicht“, sagte er, „wie viel Miete man aus so einer Bruchbude noch herausholen kann“.

Bezirksvorsteherin Erzina Brennecke griff die menschenunwürdigen Wohnumstände auf und blickte anschließend in die Zukunft. Sie freue sich auf ein aufgewertetes Quartier – und auf ein neu gestaltetes Kreuzungsumfeld, bei dem auch wieder ein Kunstwerk eine große Rolle spielen soll. 

Heckmann Geschäftsführer Gierse hatte zuvor gegen Ende seiner Begrüßung einen Wunsch geäußert – dass nämlich das Umfeld der neuen Immobilie einschließlich der Kreuzung gut gestaltet werde. Das kann man verstehen: In einem schönen Umfeld vermietet es sich leichter. Und es ist für die Mieter auch sehr viel angenehmer. 

Wenn das Projekt Ende 2020 oder zu Beginn des Jahres 2021 fertig ist, sind dort 30 neue Sozialwohnungen in Größen zwischen 47 und 62 Quadratmetern zu einem Preis von 5,55 Euro je Quadratmeter entstanden. Dafür investiert Heckmann vier Millionen Euro, profitiert aber auch von der Wohnungsbauförderung . Da hatte Gierse ein großes Lob für die Stadt: Sein Unternehmen habe über lange Jahre keine geförderten Wohnungen gebaut, deswegen Hilfe bei der Beantragung gebraucht und von der Stadt erhalten. Und Gierse lobte die SEG – auch er sei skeptisch gewesen, habe aber jetzt deren Vorteile erfahren.

Und noch eine Botschaft hatte der Heckmann-Geschäftsführer: Jede Wohnung hat einen Balkon, und zwar in Süd- oder Ostrichtung – also nicht zu den Straßen raus. Dass auf der heute heißen Betonplatte eine Sauna eingebaut werde – das sagte Reinhold Gierse nicht.

Quelle: WA Hamm – Girkens
© Foto: Heckmann Bauland und Wohnraum