August 09 2016 0Comment

HERZ FÜR FLÜCHTLINGE GEZEIGT

Altes Schwesternwohnheim wird abgerissen / Heckmann baut 46 Wohneinheiten

Hamm – Die Stadt hat das ehemalige Schwesternwohnheim der früheren St. Elisabeth-Kinderklinik in der Kolpingstraße gestern dem Eigentümer, dem Hammer Bauunternehmen Heckmann zurückgegeben. Das für den Abriss vorgesehene Gebäudeensemble am östlichen Tor zur Innenstadt war seit dem vergangenen Sommer für eine Zwischennutzung als Flüchtlingsunterkunft genutzt worden.

Die Firma Heckmann hatte den geplanten Abriss verschoben und der Stadt den Wohnraum fast ein ganzes Jahr unentgeldlich zur Verfügung gestellt. „Die Firma Heckmann hat uns in einer Zeit, als der Zustrom von Flüchtlingen am größten war, dieses Wohnheim kostenlos zur Verfügung gestellt. Das war vorbildlich und völlig ungewöhnlich. Dafür überbringe ich heute noch einmal ausdrücklich das Dankeschön der Stadt Hamm“, sagte gestern Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann und überreichte dem Geschäftsführenden Gesellschafter Reinhold Gierse einen Blumenstrauß und ein großes Herz aus Pappmasché. Darauf stand geschrieben: „Heckmann hat Herz“.

„Wir haben das gerne gemacht“, sagte Gierse. „Und wir wollten keinen Profit aus der Situation der Flüchtlinge schlagen.“ Ein derart uneigennütziges Verhalten sei die absolute Ausnahme, bescheinigte der OB. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle hätten viele Immobilienbesitzer die Gunst der Stunde zu nutzen versucht. Die Preise seien spürbar angestiegen. Die Stadt habe das aber nicht mitgemacht. In anderen Regionen, zum Beispiel im Raum Aachen, seien Mietpreise bis zu 18 Euro pro Quadratmeter gezahlt worden.

Das ehemalige Schwesternwohnheim sei eine „gute Unterkunft“ gewesen. In der Spitze seien 120 Flüchtlinge hier untergekommen. Es habe auch viele soziale Angebote gegeben, unter anderem ein wöchentliches Frauencafé mit 40 Teilnehmerinnen und eine Gesundheits-Sprechstunde, die eine Hebamme angeboten habe. Unterm Strich hätten mehr als 200 verschiedene Flüchtlinge in dem alten Gemäuer vorübergehend eine Bleibe gehabt.

„Die Abrissgenehmigung liegt uns vor. Die Vorbereitungen dazu sind in vollem Gange“, sagte Gierse. In den kommenden sechs Wochen werde der Gebäudekomplex abgerissen. „Danach beginnen wir mit der Vermarktung.“ Geplant sind sechs Stadthäuser mit insgesamt 46 Wohneinheiten sowie eine Tiefgarage. Die Einzelheiten zu dem Bauprojekt sollen in ein paar Wochen der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. „Dann beginnen wir auch mit der Vermarktung.“

Ein Lob bekam gestern auch die Nachbarschaft im Wohnquartier rund um die Musikschule: „Kritische Anmerkungen gab es hier von Anfang an nicht. Die Nachbarn haben diese Notunterkunft für Flüchtlinge die ganze Zeit über voll akzeptiert“, sagte Mario Lerche, stellvertretender Leiter des Amtes für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten. „Darüber haben wir uns sehr gefreut.“

Foto: Jens Krause (von links), Mario Lerche, Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann,
Reinhold Gioerse, Franz Venker und Marc Herter MdL an der Baustelle
Quelle: Westfälischer Anzeiger, Foto: Reiner Mroß