August 01 2021 0Comment

Frisches Konzept für alten Schulstandort

Mit Neubauplanung werden verschiedene Bedarfe und Ziele erfüllt

 

Wadersloh. (-ger)  Noch hält das Gebäude die Erinnerung an quirliges Schulleben wach, doch die Tage der früheren Geschwister-Scholl-Realschule sind längst gezählt. Die Realschüler haben ebenso wie die Pennäler der Konrad-Adenauer-Schule eine neue Heimat in der neuen Sekundarschule gefunden. Seitdem sind Klassen, Flure und der Schulhof der Scholl-Schule verwaist. Aber es gibt ehrgeizige Pläne. Der alte Realschulstandort wird zurzeit überplant und soll den Weg freimachen für ein Wohnquartier für ganz unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. „Rosenhöhe“ ist das Projekt überschrieben. Der Name geht auf einen Flurnamen zurück. Das Plangebiet liegt zentral und wird von der Langenberger Straße und dem Schulkamp begrenzt. Hier sollen auf einer Fläche von etwa 13.000 Quadratmetern wenigstens 80 Wohneinheiten geschaffen werden. Auch der Feuerwehrstandort wird aufgegeben. Die Brandbekämpfer sollen künftig im Gewerbegebiet Dieselstraße ihre Zelte aufschlagen.

Wadersloh wird als leistungsstarker Wohn- und Wirtschaftsstandort geschätzt. Dazu gehört eine zukunftsgerichtete Schullandschaft. Der Rat der Gemeinde fasste bereits 2012 den vorausschauenden Beschluss, den Schulstandort langfristig zu sichern. Die 12.000-Einwohner-Kommune am südlichen Rand des Kreises Warendorf kann Familien zusammen mit dem weit über die Grenzen der Gemeinde bekannten Gymnasium Johanneum ein denkbar breites Bildungsangebot für Kinder und Jugendliche machen. Statt der Real- und Hauptschule fokussiert sich der Schulträger nun auf eine Sekundarschule. Dafür wurde die alte Hauptschule und für die neuen Anforderungen erweitert. Für die alte Realschule gibt es keine Nachfolgenutzung. Doch was tun?

Die Gemeinde hat die Bürger hierfür umfassend einbezogen und ihre Meinungen abgefragt. Sie sind eingeflossen in eine Gesamtplanung, in die mehrere Beteiligte hineingreifen und sie tragen. Ausgehend von sechs festgestellten Bedarfen und Zielen – angefangen vom Wohnangeboten bis hin zur Umsetzung eines Quartierkonzeptes – setzte die Kommune ein Investitionsauswahlverfahren in Gang, bei dem am Ende vier Akteure zusammenfanden: die Firma Heckmann Bauland und Wohnraum GmbH & Co. KG aus Hamm, die Architekten Klein.Riesenbeck aus Warendorf, die St. Vincenz-Gesellschaft aus Ahlen und die örtliche Bau- und Wohnungsgenossenschaft BWG.

Die Heckmann Bauland und Wohnraum ist Teil der traditionsreichen Heckmann-Gruppe und auf Wohnungsbau spezialisiert. Sie entwickelt das Plangebiet. Das von der Heckmann Bauland und Wohnraum beauftragte Architekturbüro beschreibt die städtebauliche Konzeption so: „Städtebauliches Ziel ist es, die Grundlage für ein Wohnquartier mit einem differenzierten Wohnangebot zu entwickeln. Die Typologie der das Plangebiet umgebenden Bebauung ist eine additive Baustruktur aus Einzelhäusern, welche entlang der Straßenzüge raumbildend ist. Dieses städtebauliche Prinzip wird übernommen. Die neuen baulichen Strukturen entwickeln sich parallel zu den Straßenzügen, etwas zurückgesetzt von den Straßen, um die vorgesehene Kubatur zu relativieren. So entstehen zwei Gebäude an der Langenberger Straße und vier Gebäude am Schulkamp. Das Baufeld der Feuerwehr wird durch eine lineare Baustruktur besetzt.

 

Platz markiert die Mitte des Areals – Eigentumswohnungen, geförderter Wohnungsbau und Hausgemeinschaft

Durch die Platzierung der Gebäude zueinander entsteht eine Platzsituation in der Mitte des Quartiers, offen erkennbar vom Schulkamp, und eine innere Freifläche in Richtung Norden zwischen den Gebäuden. Die Verbindung zum Park in Richtung Süden wird großzügig ausgebildet.“

Im Norden des Plangebietes sind vier Einzelgebäude mit jeweils 14 Wohneinheiten und eine Tiefgarage vorgesehen. Hier soll es Eigentumswohnungen mit einer Größe von 50 bis 120 qm geben. Die Wohnungen werden barrierefrei sein und können über Rampen und Aufzüge erreicht werden. Die nordöstlichen Gebäude werden über den Schulkamp erschlossen, die nordwestlichen über die Langenberger Straße.

Zum Park hin, im südöstlichen Bereich des Quartiers, greift ein anders konzeptionelles Element der Planung. Der Plan sieht zwei öffentlich geförderte, ebenfalls barrierefreie Gebäude vor. Hier schlägt zum einen die BWG auf. Ausdrücklicher Wunsch an dieser Stelle ist preiswerter Wohnraum. Ein Gebäude umfasst zwölf Wohneinheiten mit Größen zwischen 45 und 92 qm. Das andere Objekt soll eine ambulante Hausgemeinschaft mit einer Tagesbetreuung für zwölf Menschen mit einer Behinderung aufnehmen. Für die Betreuung kommt die St.-Vincenz-Gesellschaft als professioneller Anbieter ins Boot. In diesem Gebäude soll auch ein Quartiersmanager seinen Sitz haben. In der Mitte eben dieses Quartiers wird es einen öffentlich zugänglichen Quartiersplatz geben. Das ganze Areal wird barrierefrei gestaltet.

Die Feuerwehr an der Langenberger Straße zieht um. Das steht fest. Das hat Bürgermeister Christian Thegelkamp in einem Infovideo unter Hinweis auf die politische Beschlusslage herausgestellt. Mit dem Neubau im Gewebegebiet soll im kommenden Jahr begonnen werden.

 

Bereicherung an einer wichtigen Stelle – Nach Auslegung wird Verfahren bis zum Beschluss fortgeführt

Ob auf dem Gelände der gegenwärtigen Wehr künftig Reihen- und Einzelhäuser mit vier bis fünf Wohneinheiten entstehen, wie angedacht, darüber ist allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen. Der Plan sieht sie aber vor.

Im kommenden Jahr soll es auf dem alten Realschulgelände losgehen. Bis dahin muss allerdings das Baurecht geschaffen sein und im Parallelverfahren der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Auslegungsfrist ist bereits abgelaufen, nun geht das Verfahren seinen gewohnten Weg weiter. Am Ende dieses Beteiligungsprozesses, bei dem natürlich auch die sogenannten Träger öffentlicher Belange einbezogen werden, steht der Ratsbeschluss. Franz Venker, Ansprechpartner bei Heckmann Bauland und Wohnraum Tel. (0 23 81) 79 90-7 68 oder Mail an franz.venker@heckmann-bau.de, rechnet nach Herstellung der entsprechenden Rechtsgrundlagen mit Bauzeiten von 14 bis 16 Monaten, also bis ins Jahr 2024 hinein. Verwaltungschef Thegelkamp weiß, dass sich die Kommune mit diesem Vorhaben ein ehrgeiziges Ziel gesetzt hat, freut sich aber darauf, das Quartier zu einem lebendigen Mittelpunkt in zentraler Lage von Wadersloh machen zu können. Architekt Helmut Riesenbeck sieht in der Überbauung und Neuplanung eine Bereicherung für die Gemeinde an dieser wichtigen Stelle. Alle Beteiligten seien sich in der Einschätzung einzig, dass dies ein gutes Konzept sei. Davon ist auch Norbert Morfeld, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, überzeugt. Er verwies auf laufende Gespräche mit der St.-Vincenz-Gesellschaft über einen Quartierskümmerer. Diese Anregung war in Interviews über die Zukunft des Realschulgeländes entstanden. Die Verwaltung hatte im Vorfeld der Planung unabhängig von dem üblichen Rechtsrahmen eine umfangreiche Bürgerbeteiligung durchgeführt und Bedarfe und Anregungen abgefragt.

 

© Quelle: Uwe Häger – Lippstadt am Sonntag
© Visualisierung: Klein.Riesenbeck + Assoziierte GmbH

Write a Reply or Comment