Juli 08 2020 0Comment

Vermietung von 30 Wohnungen an der Seeburger Straße läuft an

Hamm – Fünf Jahre sind seit dem Kauf der Schrottimmobilie Münsterstraße/Heessener Straße durch die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) vergangen, drei Jahre seit Abrissbeginn. Seit gestern läuft nun die Vermietung der 30 Wohneinheiten, die hier unter der neuen Anschrift Seeburger Straße 1 und 3 kurz vor der Fertigstellung stehen. Mietbeginn wird der 1. November 2020 sein. Das kündigte Geschäftsführer Reinhold Gierse von der ausführenden Baufirma Heckmann im Beisein von Vertretern aus Politik und Verwaltung beim Ortstermin an.

Alle 30 Einheiten, die eine Größe zwischen 47 und 67 Quadratmetern haben, sind sozial gefördert. Das heißt, die Kaltmiete wird bei 5,55 Euro pro Quadratmeter liegen. Laut Gierse ist mit Betriebskosten von etwa 2,25 Euro/Quadratmeter zu rechnen. Mieter benötigen einen Berechtigungsschein. Zwei 67 Quadratmeter große Einheiten seien für Rollstuhlfahrer ausgelegt, so Gierse, alle Wohnungen seien barrierefrei. Der Gesamtkomplex verfügt über mehrere Aufzüge.

Anfragen lägen bereits „ohne Ende“ vor, so Philipp Krampe, der bei Heckmann für die Vermietung zuständig ist. Man gehe davon aus, dass die Wohnungen zügig vergeben seien. Das Unternehmen werde Begehungen durchführen.

Allerdings, so machte Heckmann-Geschäftsführer Gierse deutlich, wolle man bei der Vermietung „weg vom schlechten Image”, das der Standort vorher genossen habe. Man strebe einen guten Mietermix an. Anfragen beispielsweise von vier- und mehrköpfigen Familien werde man angesichts der Größe der Wohnungen eine Absage erteilen. „Das ist hier nicht realistisch“, sagte er.

Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann betonte, die Zeit der „prekären Unterbringungen” an dieser Stelle sei durch das Eingreifen der Kommune und des Staates beseitigt worden. Das sei „ein Herzensanliegen der Politik und der Heessener” gewesen. Bei früheren Begehungen erinnere er sich an Schimmel bis zur Decke und mumifizierte Ratten im Treppenhaus. Dass es Hamm bei Corona zuletzt nicht so hart getroffen habe wie den Kreis Gütersloh in bestimmten Teilen, habe auch mit der Zerschlagung dieser Wohnverhältnisse zu tun.

Heckmann-Geschäftsführer Gierse sprach von „anspruchsvollen Wohnungen“. Alle verfügen über Balkon beziehungsweise Terrasse in Südausrichtung (also weg von der Heessener Straße), einen zusätzlichen Abstellraum und einen Pkw-Stellplatz. Der Innenhof werde begrünt. Aus dem Obergeschoss bleibe der Blick auch nach Fertigstellung des Mehrgenerationenwohnens in der Nachbarschaft frei in Richtung „Erlebensraum Lippeaue“. Rund vier Millionen Euro wird Heckmann hier nach eigenen Angaben am Ende verbaut haben. Der Kosten- und Zeitplan werde eingehalten.

Asprekte einer Stadtteilreperatur

Rund 1,8 Millionen Euro plus sechsstellige Kosten für die Schadstoffentsorgung und den Rückbau hat die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) 2015 für den Ankauf der Schrottimmobilie aus den 1970er Jahren mit 40 Wohneinheiten und fünf Ladenlokalen an der Heessener Straße 4 ausgegeben. Aus der Opposition setzte es dafür heftige Kritik. Zuletzt labten hier zeitweise mehrere Hundert Menschen rumänischer und bulgarischer Herkunft. 18 Wohnungen sollen von einem Subunternehmer der Fleischindustrie angemietet gewesen sein. Es folgte ein kombinierter Investoren-/Architektenwettbewerb, aus dem die Firma Heckmann und das Büro Eichhorst und Schade Architekten als Sieger hervorgingen. Bei einer Leserumfrage auf wa.de entfielen im September 2017auf die Frage „Geht’s nach Abriss und Neubau aufwärts im Hammer Norden“ 26 Prozent der 1318 abgegebenen Stimmen auf die Antwort Abriss und Neubau seien die Chance auf einen Neubeginn. 35 Prozent sagten „Nein“, es gebe ja keine Veränderungen im Umfeld.

© Quelle: Frank Osiewacz – wa
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